Asylbewerber-Protest: Hungerstreik in Bitterfeld nach 16 Tagen beendet

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Flüchtlingscamp in Bitterfeld

In Bitterfeld haben Flüchtlinge in der Walther-Rathenau-Straße ein Flüchtlingscamp aufgebaut. Seit Mittwoch (14. August) sind drei Männer aus dem Iran im Hungerstreik.

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Andreas Stedtler

Bitterfeld/MZ

Nach 16 Tagen haben die Flüchtlinge in Bitterfeld ihren Hungerstreik ausgesetzt. Das gab am Freitag auf Anfrage Sina Alinia bekannt, einer der fünf Beteiligten. Am Donnerstagabend sei die Entscheidung gefallen, wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Ob es dabei bleibt, werde in der kommenden Woche entschieden.

Die Flüchtlinge hatten offenbar zunächst sogar beraten, ob sie auch auf Flüssigkeit verzichten. Den Ausschlag für die Aufgabe des Hungerstreiks habe dann der Besuch der Landesintegrationsbeauftragten Susi Möbbeck gegeben, so Alini. „Das war das erste Mal, dass wir uns ernst genommen fühlten. Man sieht endlich die Probleme.“ „Das Gespräch hat uns die Hoffnung gegeben, dass sich etwas verändert“, sagte der Iraner. A Möbbeck hatte eine Arbeitsgruppe in Aussicht gestellt, in der die Forderungen der Flüchtlinge erörtert und Lösungen gesucht werden sollen.

Treffen mit Behörden in Aussicht

Am Dienstag oder Donnerstag soll es auf ihre Initiative hin zu einem Treffen mit zuständigen Behörden und Organisationen kommen. Das wollen die Protestierenden abwarten. Man wolle sehen, ob sich aus diesem ersten Hoffnungsschimmer auch konkrete Lösungen ergibt, sagte Alinia. „Falls das nicht geschieht, ist ein erneuter Hungerstreik nicht ausgeschlossen.“ Das Protestcamp in Bitterfeld ist noch bis zum 29. August angemeldet. Ob es danach an der selben oder anderer Stelle fortgesetzt wird, ließ Alinia offen.

Für das antirassistische Netzwerk ist der Besuch der Landesintegrationsbeauftragten zwar ein wichtiger Schritt. „Aber geschafft ist noch nichts“, sagte eine Sprecherin des Netzwerks. „Das ist erst der Anfang. Wir wollen Gespräche, in denen die untragbaren Bedingungen für Flüchtlinge auf den Tisch kommen und gelöst werden.“ So stünde auch ein Termin mit Vertretern des Innenministeriums an.

Seit dem 1. August haben die Protestierenden ihr Camp in der Bitterfelder Grünen Lunge aufgeschlagen. Drei Iraner sind am 7. August in den Hungerstreik getreten, am vergangenen Wochenende haben sich zwei weitere Flüchtlinge angeschlossen. Unterstützer sind unter anderem Mitglieder des antirassistischen Netzwerks. Zu den Forderungen gehören unter anderm eine flächendeckende Unterbringung in Wohnungen, die Abschaffung der Residenzpflicht, Recht auf Arbeit und Zugang zu Sprachkursen.